Yatsuhashi, eine Süßigkeit aus Kyoto

February 5, 2020

von Ayano Tsuruta, Sayano Manabe und Yoshimasa Mima

Was stellen Sie sich vor, wenn Sie von Yatsuhashi hören? Vielleicht denken Sie an eine Süßigkeit, die ein weiches Dreieck bildet und Bohnenpaste enthält. Aber diese Süßigkeiten heißen eigentlich nicht Yatsuhashi. Wussten Sie das? Deshalb haben wir uns die Yatsuhashi einmal näher angesehen.

Yatsuhashi kommen aus Kyōto und wurden erstmals 1689 von der Firma Honke Nishio Yatsuhashi hergestellt. Sie sind aus süßem harten Keksteig und haben die Form einer Brücke. Neben Honke Nishio Yatsuhashi gibt es noch andere bekannte Hersteller, wie zum Beispiel Izutsu Yatsuhashi Honpo oder Shogoin Yatsuhashi Sohonten usw., doch wir haben uns hauptsächlich mit Honke Nishio Yatsuhashi befasst.

Der Gedenkstein der Yatsuhashi im Kumano Schrein 

Die Geschichte der Yatsuhashi 

Die Yatsuhashi wurden von Nishio Tameji aus der fünften oder sechsten Generation der Familie Nishio erfunden. Die Familie Nishio betreibt das Geschäft bis jetzt. Zuerst hat Nishio Tameji die harten, gebackenen Yatsuhashi entwickelt. Früher war das Reispulver teuer, deshalb konnten normale Leute es nicht kaufen. Nishio Tameji mischte das Reispulver und die anderen Zutaten, aber der Teig schmeckte nicht gut und wurde nicht hart, deshalb hat er ihn gebacken. So wurden die Yatsuhashi gemacht. Später konnte man gutes Reispulver kaufen, sodass die Teiglinge auch roh gegessen werden konnten.

Die rohen „Nama-Yatsuhashi“ wurden ebenfalls von der Familie Nishio hergestellt. Doch wie kam man auf die Idee, Bohnenpaste in die Teiglinge zu füllen? Als man nur die Yatsuhashi und Nama-Yatsuhashi allein verkaufte, sah das nicht attraktiv aus. Deshalb füllte man Bohnenpaste in die Nama- Yatsuhashi. Diese „Annama“ wurden am Anfang von anderen Firmen hergestellt und wurden sehr populär.

Die harten Yatsuhashi

Yatsuhashi, Nama-Yatsuhashi und Annama

Rohe Yatsuhashi (jp. Nama yatsuhashi) sind nicht hart, sondern weich, weil der Teig ungebacken ist. Sie haben nicht die Form eines Dreiecks, sondern die eines Rechtecks. Innen haben sie keine Füllung. Erst wenn man sie backt, werden daraus Yatsuhashi. Wenn die weichen, rohen Teiglinge mit Bohnenpaste gefüllt sind, nennt man sie Annama. Sie werden in diversen Geschäften unter dem Namen Yuko oder Otabe verkauft. Der Teig ist für alle gleich und wird aus Reismehl, Zucker und Zimt hergestellt. Die Yatsuhashi von Honke Nishio enthalten keine Konservierungsmittel. Konservierungsmittel machen die Yatsuhashi zwar länger haltbar, aber der Geschmack leidet darunter, deshalb werden sie bei Familie Nishio nicht benutzt. Man will einen guten Geschmack aus gesunden Zutaten herstellen.

Die rohen ,,Nama-Yatsuhashi”

Welche Yatsuhashi sind am beliebtesten?

Viele Ausländer kaufen oft traditionelle harte Yatsuhashi, weil diese lange halten. Die rohen Nama Yatsuhashi halten nur etwa 1 Woche, aber die harten Yatsuhashi halten einen oder zwei Monate. Als Mitbringsel aus Kyoto sind sie sehr berühmt. Viele Japaner kaufen Annama oder nur Nama Yatsuhashi , weil sie die Geschichte der Yatsuhashi nicht kennen. Und viele Japaner glauben, dass Annama Yatsuhashi sind. Manche Leute fragen, was harte Yatsuhashi sein sollen, denn Yatsuhashi seien doch weich. Die Verkäufer sagten, dass Ausländer sich bei den Yatsuhashi besser auskennen als die Japaner.

Für die Familie Nishio ist es am wichtigsten, dass der Familienbetrieb weitergeführt wird, und dass man bei Honke Nishio jederzeit Yatsuhashi kaufen kann, egal wann man kommt. Man denkt dort, dass etwa Schüler auf Klassenfahrt aus Kyoto nicht nur ein Mitbringsel mit nach Hause nehmen, sondern auch die Erinnerung an das Geschäft. Wenn die Schüler erwachsen werden, kommen sie vielleicht wieder in das Geschäft. Und dann, wenn sie heiraten, kommen sie mit ihrer Familie dorthin.

Honke Nishio Yatsuhashi https://www.8284.co.jp/foreigners/en.pdf

Wegbeschreibung der Geschäfte

Candy Show Time

Mao Okada, Naomi Shirai

Ein außergewöhnlicher Bonbon-Laden

Kennen Sie „Kintarô-Bonbons“? Das sind Stücke aus einer länglichen Bonbonrolle, die überall das gleiche Bild zeigt, egal wo man sie durchschneidet. Kintarô ist der Name einer Figur aus einem japanischen Märchen. Der förmliche Name ist kumiame  (Knetbonbon). Das ist ein Verfahren zur Herstellung von Bonbons.

 

das Schild

Das Schild des Bonbon-Ladens

In letzter Zeit gibt es Bonbonrollen mit Kirschmuster und anderen Bildern, mit Comicfiguren oder Schriftzeichen. Aber alle werden Kintarô-Bonbons genannt, auch wenn sie nicht die Kintarô-Figur zeigen.

Bevor die Bonbonmasse in die Länge gezogen wird, hat sie einen Durchmesser von 35 cm, eine Länge von 70 cm und ein Gewicht von 40 – 50 Kilo. Das ergibt bei einem Produkt von ca. 2 cm Durchmesser eine Länge von etwa 250 Metern und etwa 7000 Bonbons.

Zur Herstellung wird Sirup mit Zucker in einen Kessel gegeben, verrührt und eingedickt. Dann kühlt man die heiße Bonbonmasse auf 60 Grad ab und knetet sie mit der Maschine. Man färbt die Masse ein und teilt sie in die verschiedenen Teile des Gesichts auf. Man legt die Teile aufeinander und macht daraus das Gesicht. Die Reihenfolge ist Kinn, Mund, Backen, Hände, Augen, Augenbrauen und Stirn.

das Verfahren 1

Schritt 1 der Herstellung

 

das Verfahren 2

Schritt 2

das Verfahren 3

Schritt 3

das Verfahren 4

Schritt 4

das Verfahren 5

Schritt 5

das Verfahren 6

Schritt 6

 

das Verfahren 7

Fertige Bonbons

Im Candy Show Time kann man aus nächster Nähe besichtigen, wie Zuckerbäcker die Bonbons herstellen. Man kann auch frisch produzierte Bonbons gleich probieren. Außerdem gibt es gibt dort Ohrringe, Schlüsselanhänger und Haarspangen zu kaufen, die wie Bonbons aussehen. Sie kosten etwa 1000 – 2000 Yen. Im oberen Stockwerk befindet sich ein Café, in dem man Kaffee trinken und Süßigkeiten essen kann.

Der Schmuck aussieht wie den Bonbon.

Bonbon-Schmuck

 

Öffnungszeiten : 10:00-20:00 Uhr

1F Candy Show Time 075-532-2055

2F Candy Show Time Café 075-532-2066

 

Adresse : 573-5 Minamigawa, Gion-cho, Higashiyama-ku, Kyoto 605-0074

Anfahrt : ① 30 Minuten mit der Buslinie 17 vom JR-Bahnhof Kyoto bis Shijo-Kawaramachi

② 10 Minuten Fußweg  von der Haltestelle Shijo-Kawaramachi

 

URL : http://candy-showtime.com/

 

Gespensterlutscher aus Kyoto

Gespensterlutscher aus Kyoto

von Seiran Nagao

Einer alten Legende zufolge starb im Jahre 1599 in der Nähe des Kiyomizu-Tempels eine Schwangere, die in Toribeyama begraben wurde. In der Folgezeit tauchte in einem Bonbongeschäft in Toribeyama jede Nacht eine Frau auf, um Bonbons zu kaufen. Als der Geschäftsinhaber des Ladens ihr eines Abends folgte, verschwand die Frau in dem Friedhof in Toribeyama und unter einem Grab hervor hörte er das Schreien eines Babys. Es war das Grab der Schwangeren. Der Geschäftsinhaber hob das Grab aus und entdeckte ein schreiendes Baby mit einem Lutscher im Mund. Nachdem der Mann das Baby aus dem Grab befreit hatte, kam die Frau nicht mehr zum Bonbongeschäft. Offenbar war es der Geist der Mutter gewesen, der Bonbons für das Baby eingekauft hatte. Die Bonbons des Ladens wurden als „Gespensterbonbons“ bekannt.

Gespensterbonbons

Gespensterbonbons

Gespensterbonbons

Die damaligen Bonbons waren aus einer Zuckermasse hergestellt, die nach Art eines Lutschers um ein Stäbchen gewickelt verkauft wurde. Heute werden die Gespensterbonbons aus Malzzucker und Süßstoff gemacht. Sie sind von zarter Bernsteinfarbe und schmecken nicht zu süß. Große Packung: 500 Yen Kleine Packung: 300 Yen

 

 

Die Legende der Gespensterbonbons als Vorlage für einen Comic

Der von Mizuki Shigeru gezeichnete Comic „Gegege no Kitaro“, der in Japan sehr bekannt ist, entstand nach der Legende des Bonbonladens. Hakaba Kitarō, der Held des Comics, wird aus dem toten Leib seiner Mutter geboren, nachdem diese begraben wurde. Sein Familienname Hakaba bedeutet „Friedhof“.

 

Der Bonbonladen (Minatoya Yūrei Kosodate Ame Hompo)

Bonbonladen

Bonbonladen

 

im Laden

im Laden

 

Adresse:
Rokurocho 80-1
Higashiyama-ku Kyoto

 

Wegbeschreibung:
Man steigt am Hauptbahnhof (Kyoto-eki) in die Buslinie 206 oder 100 und fährt in Fahrtrichtung Hyakumanben bis zur Haltestelle „Kiyomizumichi“.

Öffnungszeiten:
10:00-16:00

Ruhetag:
Montag